Modul 12
Zukunftsbilder, Vaterschaft & Verantwortung
Welche Art von Mann möchte ich später sein – in Beziehungen, als Vater, als Freund, im Beruf? In diesem Modul geht es um Zukunftsbilder, Werte und Verantwortung. Die Jugendlichen denken darüber nach, wie sie sich ihr Leben vorstellen, welche Rolle Care-Arbeit, Familie, Freundschaften und Partnerschaft spielen sollen – und welche Haltungen sie dabei leben möchten. Ziel ist ein bewusster, reflektierter Blick nach vorne: weg von Klischees, hin zu selbst gewählten, gleichwertigen Lebensentwürfen.
Für wen ist dieses Modul geeignet?
- Klassen ab Jahrgang 9
- Sek II
- Berufsschulklassen und Abschlussklassen
- Projekt-, Berufsorientierungs- und Demokratietage
- Schulsozialarbeit & Jugendhilfe
Der Inhalt wird jeweils altersgerecht angepasst (Sprache, Beispiele, Tiefe).
Worum geht es in diesem Modul?
Jugendliche stehen oft unter Druck, „etwas aus ihrem Leben zu machen“: guter Beruf, Geld, Anerkennung. Gleichzeitig wird selten darüber gesprochen, wie sie einmal Beziehungen gestalten, ob und wie sie Familie leben, wie sie Verantwortung teilen oder als Vater sein wollen. Viele Vorstellungen orientieren sich an alten Rollenbildern – „Ernährer“, „starker Mann“, „Karriere zuerst“ – und an Idealen aus Medien und Social Media.
Dieses Modul setzt genau hier an:
- Welche Bilder von Männlichkeit, Partnerschaft und Vaterschaft habe ich aus Familie, Medien und Umfeld mitbekommen?
- Welche Elemente davon fühlen sich stimmig an – und welche eher einengend oder ungerecht?
- Wie möchte ich später mit Partner:innen, Kindern, Freund:innen und mir selbst umgehen?
- Welche Rolle sollen Care-Arbeit, mentale Last, Emotionen, Freundschaften und Freizeit in meinem Leben spielen?
- Was bedeutet „Verantwortung“ für mich – und wofür möchte ich sie übernehmen?
Es geht nicht darum, den „einen richtigen“ Lebensentwurf vorzugeben, sondern darum, Bewusstsein und Wahlfreiheit zu stärken: Ich darf entscheiden, wie ich leben will – und bin gleichzeitig verantwortlich dafür, wie sich mein Handeln auf andere auswirkt.
Was passiert konkret im Workshop?
Der Workshop verbindet Zukunftsfragen mit Reflexion über Werte, Rollenbilder und Verantwortung. Ein möglicher Ablauf (für ca. 90 Minuten):
1. Ankommen & Einstieg (10–15 Min)
- Kurze Einzelreflexion: „Wenn du an dein Leben mit 30/40 denkst – was siehst du als erstes?“ (Stichworte auf Karten).
- Sammlung im Plenum: Arbeit, Geld, Wohnung, Reisen, Beziehung, Kinder, Freunde, Hobbys etc.
- Erste Frage: „Kommt Care-Arbeit (Haushalt, Kinder, Pflege, emotionale Arbeit) in diesen Bildern vor – und wenn ja: Wer macht sie?“
2. Rollenbilder & Vorbilder (15–20 Min)
- Kurzinput: klassische Rollenmodelle („Ernährer“, „immer starke Vaterfigur“, „Karriere über alles“) vs. neuere Modelle (geteilte Care-Arbeit, Elternzeit, flexible Rollen).
- Kleingruppen:
- „Welche Männer waren oder sind für dich Vorbilder – und warum?“
- „Welche Bilder von Vaterschaft, Männlichkeit und Partnerschaft hast du aus deiner Familie oder deinem Umfeld mitgenommen?“ - Plenum: Sammlung von Aspekten, die inspirieren – und solchen, die man bewusst nicht weiterführen möchte.
3. Eigene Zukunftsbilder konkretisieren (20–25 Min)
- Einzelarbeit mit Leitfragen:
- „Wie viel Zeit möchte ich später wofür verwenden (Arbeit, Familie, Freunde, Hobbys, Ruhe)?“
- „Will ich Kinder – und wenn ja, was für ein Vater möchte ich sein?“
- „Wie sollen Aufgaben in einer Partnerschaft verteilt sein?“ - Kleingruppen-Austausch (freiwillig): Überraschende Erkenntnisse, Konflikte zwischen Wunsch und vermeintlichen Erwartungen.
4. Verantwortung & Gleichwertigkeit (20–25 Min)
- Kurzinput: Was bedeutet Verantwortung in Beziehungen, Familie, Freundschaften, Arbeit? (z. B. verlässlich sein, Grenzen respektieren, Care-Arbeit mittragen, Entscheidungen gemeinsam treffen).
- Arbeit mit Szenarien:
- „Sie macht den Haushalt, ich mache Karriere – ist das fair?“
- „Ich will viel arbeiten – aber auch ein präsenter Vater sein: Wie könnte das gehen?“
- „Wer bleibt zu Hause, wenn ein Kind krank ist?“ - Erarbeitung in Kleingruppen:
- „Wie sieht ein Lebensentwurf aus, in dem Gleichwertigkeit und geteilte Verantwortung wirklich gelebt werden?“
5. Abschluss & Transfer (5–10 Min)
- Freiwillige Reflexion: „Ein Satz, den ich mir für mein späteres Ich merken möchte.“
- Hinweis auf Anschlussmodule (z. B. Selbstwert, Beziehungen, Geschlechtergerechtigkeit).
Bei längeren Formaten (Tagesprojekt/Projektwoche) sind Vertiefungen möglich:
- ausführlichere Zukunftswerkstatt (Lebenslinien, Visionboards, Rollenspiele „Ich mit 35“)
- vertiefte Auseinandersetzung mit Care-Arbeit, Mental Load und Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Arbeit mit Interviews oder Texten (z. B. von Vätern, Männern in Care-Berufen, Männern mit unkonventionellen Lebensmodellen)
- Entwicklung eines „Zukunftsbriefs an mich selbst“ oder eines persönlichen Werte- und Verantwortungskodex.
Was lernen die Teilnehmenden?
Fachlich & inhaltlich:
- Sie erkennen, wie Rollenbilder, Traditionen und gesellschaftliche Erwartungen ihre Zukunftsvorstellungen beeinflussen.
- Sie verstehen grundlegende Zusammenhänge zwischen Care-Arbeit, Gleichwertigkeit und Lebensqualität.
- Sie erhalten Anregungen, wie unterschiedliche Lebensmodelle aussehen können – jenseits starrer Klischees.
Sozial & emotional:
- Sie setzen sich mit eigenen Wünschen, Ängsten und Ambivalenzen in Bezug auf Zukunft, Familie und Verantwortung auseinander.
- Sie entwickeln mehr Klarheit darüber, was ihnen wirklich wichtig ist – nicht nur, was „man“ machen soll.
- Sie erleben, dass Unsicherheit über die Zukunft normal ist, und dass es hilfreich sein kann, darüber zu sprechen.
Haltung & Verantwortung:
- Sie hinterfragen stereotype Vorstellungen von Männlichkeit, Erfolg und Vaterschaft.
- Sie erkennen, dass Verantwortung nicht nur wirtschaftliche Versorgung bedeutet, sondern auch emotionale Präsenz, Care-Arbeit und respektvolle Partnerschaft.
- Sie entdecken, dass sie aktiv Einfluss darauf haben, wie fair und gleichwertig ihre späteren Beziehungen und Familienkonstellationen gestaltet sind.
Methoden & Materialien
Das Modul arbeitet mit:
- Einzelreflexionen zu Zukunftsbildern
- Kleingruppengesprächen zu Vorbildern und Rollenbildern
- Szenarien- und Wertearbeit
- moderierten Plenumsdiskussionen
- optional kreativen Methoden (z. B. Lebensentwurf-Plakate, Zukunftsbriefe)
Materialien (wie bei allen Modulen, konkretisiert):
- Infomaterialien zu Rollenbildern, Care-Arbeit, Vaterschaft und Lebensmodellen
- Sticker / visuelle Reminder mit Botschaften wie „Sorge ist Stärke“ oder „Verantwortung ist mehr als Gehalt“
- Gruppenarbeitsmaterialien
Alle Materialien sind reflektierend, stärkenorientiert und geschlechtersensibel gestaltet, ohne einen bestimmten Lebensweg vorzuschreiben.
Mögliche Einsatzformate
90-Minuten-Workshop
– als Einstieg in Zukunfts- und Wertearbeit, Berufsorientierung plus Lebensplanung, z. B. in Abschlussklassen.
Halbtages- oder Tagesprojekt
– mit vertiefter Zukunftswerkstatt, kreativen Elementen und detaillierten Lebensentwürfen.
Projektwoche / Themenwoche
– als Abschlussmodul in Projekten zu Männlichkeit, Beziehungen, Geschlechtergerechtigkeit oder Übergang Schule–Beruf.
Typische Kombinationen mit anderen Modulen
Für Projekte zu Zukunft & Lebensplanung:
Modul 3 – Selbstwert & innere Stärke
Modul 9 – Beziehungen, Nähe & Verantwortung
Modul 12 – Zukunftsbilder, Vaterschaft & Verantwortung
Für Projekte zu Geschlechtergerechtigkeit & Care-Arbeit:
Modul 6 – Sexismus & Geschlechtergerechtigkeit
Modul 9 – Beziehungen, Nähe & Verantwortung
Modul 12 – Zukunftsbilder, Vaterschaft & Verantwortung
Für Projekte zu Männlichkeit & Verantwortung:
Modul 1 – Männlichkeitsbilder & Rollenklischees
Modul 4 – Grenzen, Konsens & Verantwortung
Modul 12 – Zukunftsbilder, Vaterschaft & Verantwortung