Modul 2
Gefühle, Wut & innere Unsicherheit
Viele Jungen lernen früh, vor allem Wut zu zeigen – andere Gefühle verschwinden nach innen. In diesem Modul geht es darum, Emotionen zu erkennen, zu benennen und mit ihnen umzugehen, ohne andere oder sich selbst zu verletzen. Wir sprechen darüber, was hinter Wut, Rückzug oder Härte stecken kann und wie man mit innerer Unsicherheit konstruktiv umgeht.
Für wen ist dieses Modul geeignet?
- Klassen ab Jahrgang 7
- Sek I & Sek II
- Berufsschulklassen
- Projekt-, Präventions- und Gesundheitstage
- Schulsozialarbeit & Jugendhilfe
Der Inhalt wird jeweils altersgerecht angepasst (Sprache, Beispiele, Tiefe).
Worum geht es in diesem Modul?
Jungen und junge Männer stehen oft unter dem unausgesprochenen Druck, „funktionieren“ zu müssen: stark sein, ruhig bleiben, alles im Griff haben. Für Gefühle wie Angst, Traurigkeit, Überforderung oder Scham gibt es häufig wenig Raum – sie werden verdrängt, überspielt oder in Wut verwandelt.
Dieses Modul setzt genau hier an:
- Welche Gefühle kennen wir überhaupt – und welche davon dürfen „sichtbar“ sein?
- Was steckt häufig hinter Wut, Aggression, Zynismus oder Rückzug?
- Wie wirkt sich unterdrückte Emotionalität auf Gesundheit, Beziehungen und Verhalten aus?
- Welche Möglichkeiten gibt es, mit intensiven Gefühlen umgehen zu lernen, ohne sich selbst oder andere zu verletzen?
Es geht nicht darum, „immer weich“ zu sein, sondern darum, innerlich handlungsfähig zu werden und Emotionen als wichtige Informationsquelle ernst zu nehmen.
Was passiert konkret im Workshop?
Der Workshop ist klar strukturiert, niedrigschwellig und sehr praxisnah. Ein möglicher Ablauf (für ca. 90 Minuten):
1. Ankommen & anonyme Bestandsaufnahme (10–15 Min)
- Kurze Emotionsabfrage auf Karten oder per Skala: „Wie fühlst du dich im Alltag – innen vs. außen?“
- Sammlung typischer Reaktionsmuster: Ausrasten, Rückzug, Ironie, „mir egal“-Haltung.
2. Gefühle verstehen (15–20 Min)
- Kurzinput: Unterschied zwischen Gefühl und Verhalten.
- Einführung eines einfachen Emotionsmodells (z. B. Wut als „Deckgefühl“).
- Kleingruppen: „Was könnte hinter Wut, Überheblichkeit oder Rückzug stecken?
3. Umgang mit Wut & innerem Druck (20–25 Min)
- Sammeln: In welchen Situationen werde ich schnell wütend oder mache dicht?
- Analyse: Was passiert im Körper? Was denke ich dann über mich / andere?
- Erarbeitung erster Strategien: Atempausen, Abstand, andere ansprechen, Gedanken stoppen, Hilfe holen.
4. Neue Handlungsoptionen (20–25 Min)
- Kleingruppen entwickeln „Notfallpläne“ für typische Situationen (z. B. Streit, Bloßstellung, schlechte Noten).
- Vorstellung in der Gruppe, gemeinsame Erweiterung der Strategien.
5. Abschluss & Transfer (5–10 Min)
- Kurze Reflexion: „Eine Sache, die ich ausprobieren möchte, wenn ich das nächste Mal wütend bin.“
- Hinweis auf Anschlussmodule (z. B. Konflikte, Beziehungen, Selbstwert).
Bei längeren Formaten (Tagesprojekt/Projektwoche) sind Vertiefungen möglich:
- Körperübungen zur Stresswahrnehmung
- Rollenspiele zu „kritischen Situationen“
- Arbeit mit Musik-/Filmbeispielen
- Entwicklung von Klassen- oder Gruppenvereinbarungen zum Umgang mit Gefühlen.
Was lernen die Teilnehmenden?
Fachlich & inhaltlich:
- Sie verstehen den Unterschied zwischen Gefühlen und Handlungen.
- Sie erkennen, dass Wut oft mit anderen, tieferliegenden Gefühlen verknüpft ist.
- Sie sehen Zusammenhänge zwischen unverarbeiteten Emotionen und Konflikten, Gesundheit oder Rückzug.
Sozial & emotional:
- Sie erweitern ihren „Gefühlswortschatz“ und können Emotionen besser benennen.
- Sie entwickeln mehr Verständnis für sich selbst und andere, die „komisch reagieren“.
- Sie erleben, dass über Gefühle zu sprechen möglich ist, ohne schwach zu sein.
Haltung & Verantwortung:
- Sie lernen, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen, auch wenn Emotionen stark sind.
- Sie verstehen, dass „Ich war halt wütend“ kein Freifahrtschein für verletzendes Verhalten ist.
- Sie entdecken, dass emotionales Bewusstsein eine Form von Stärke ist.
Methoden & Materialien
Das Modul arbeitet mit:
- anonymen Kartenabfragen
- Plenumsgesprächen
- Kleingruppenarbeit
- einfachen Modellen zu Emotion & Stress
- optional kurzen Videos / Bildimpulsen
Materialien (wie bei allen Modulen, konkretisiert):
- Infomaterialien mit Überblick über Gefühle, Stressreaktionen und Strategien
- Sticker / visuelle Reminder mit Sätzen wie „Gefühl ≠ Gewalt“ oder „Stark ist, wer fühlt“
- Gruppenarbeitsmaterialien
Alle Materialien sind wertschätzend, nicht pathologisierend und geschlechtersensibel gestaltet.
Mögliche Einsatzformate
90-Minuten-Workshop
– ideal als Einstieg in Themen wie Emotionen, Stress, Aggression, innere Unsicherheit.
Halbtages- oder Tagesprojekt
– mit vertiefenden Übungen, Rollenspielen und der Erarbeitung konkreter Klassenvereinbarungen.
Projektwoche / Themenwoche
– als zentrales Baustein-Modul in Projekten zu Resilienz, mentaler Gesundheit, Gewaltprävention oder Beziehungen.
Typische Kombinationen mit anderen Modulen
Für Projekttag „Starke Jungen“:
Modul 1 – Männlichkeitsbilder & Rollenklischees
Modul 2 – Gefühle, Wut & innere Unsicherheit
Modul 3 – Selbstwert & innere Stärke
Für Gewaltpräventions-Projekte:
Modul 2 – Gefühle, Wut & innere Unsicherheit
Modul 7 – Freundschaft, Gruppendruck & Loyalität
Modul 8 – Konflikte, Kränkung & Gewalt
Für Projekte zu mentaler Gesundheit:
Modul 2 – Gefühle, Wut & innere Unsicherheit
Modul 3 – Selbstwert & innere Stärke
Modul 9 – Beziehungen, Nähe & Verantwortung