Modul 6

Sexismus & Gendergerechtigkeit


Was bedeutet Geschlechtergerechtigkeit im Alltag – und was hat das mit mir zu tun? In diesem Modul geht es um sichtbare und unsichtbare Formen von Sexismus, um Rollenverteilungen, doppelte Standards und Machtverhältnisse. Die Jugendlichen lernen, Ungleichbehandlungen zu erkennen, eigene Anteile zu reflektieren und zu verstehen, wie sie ganz konkret zu mehr Fairness und Gleichwertigkeit beitragen können – ohne Schuldzuweisungen, aber mit klarer Haltung.

Für wen ist dieses Modul geeignet?

  • Klassen ab Jahrgang 8
  • Sek I & Sek II
  • Berufsschulklassen
  • Projekt-, Präventions- und Demokratietage
  • Angebote von Gleichstellungsstellen, Schulsozialarbeit & Jugendhilfe

Der Inhalt wird jeweils altersgerecht angepasst (Sprache, Beispiele, Tiefe).

Worum geht es in diesem Modul?

Sexismus ist nicht nur das, was in extremen Schlagzeilen vorkommt. Er beginnt im Alltag: in Sprüchen, Bildern, Erwartungen, ungerechter Aufgabenverteilung oder unterschiedlichen Maßstäben für Mädchen, Jungen und alle dazwischen. Viele Mechanismen sind so normal geworden, dass sie kaum auffallen – aber trotzdem stark wirken.

Dieses Modul setzt genau hier an:

  • Welche Erwartungen gibt es an „typische“ Mädchen/Frauen und „typische“ Jungen/Männer?
  • Wo werden Menschen aufgrund ihres Geschlechts, Erscheinungsbildes oder Rollenbildes anders behandelt?
  • Wie sehen doppelte Standards aus (z. B. bei Kleidung, Sexualität, Gefühlen, Leistung)?
  • Was bedeutet es, wenn manche mehr Macht, Sicherheit oder Gehör haben als andere?
  • Wie kann ich im Alltag dazu beitragen, dass Menschen aller Geschlechter fairer und respektvoll behandelt werden?

Es geht nicht darum, „die Jungs“ zu beschuldigen oder „alle Mädchen“ zu Opfer zu machen, sondern darum, Strukturen sichtbar zu machen, die uns alle betreffen – und Handlungsspielräume zu eröffnen.

Was passiert konkret im Workshop?

Der Workshop schafft einen geschützten Raum, in dem offen gesprochen werden kann, ohne jemanden bloßzustellen. Ein möglicher Ablauf (für ca. 90 Minuten):

1. Ankommen & Einstieg (10–15 Min)

  • Kurze Abfrage: „Wo habt ihr schon mal das Gefühl gehabt, dass mit Menschen unterschiedlich umgegangen wird, nur weil sie als Mädchen oder Junge gelesen werden?“
  • Sammlung erster Beispiele aus Alltag, Schule, Medien (z. B. Kleidung, Sport, Noten, Hausarbeit, Sprüche).

2. Rollenbilder & doppelte Standards (15–20 Min)

  • Kurzinput: klassische Rollenbilder für „Männer“ und „Frauen“, aktuelle Entwicklungen, Vielfalt von Geschlechtern.
  • Kleingruppen:
    - „Was erwartet man von Jungen/Männern?“
    - „Was erwartet man von Mädchen/Frauen?“
    - „Was passiert, wenn jemand nicht dazu passt?“
  • Sichtbarmachen von doppelten Standards (z. B. „Player vs. Schlampe“, „stark vs. zickig“).

3. Alltagssexismus erkennen (20–25 Min)

  • Arbeit mit anonymisierten Szenarien: Sprüche, „Komplimente“, Witze, Aufgabenverteilung, Online-Situationen.
  • Einschätzung: „Was ist einfach ungeschickt, was ist klar sexistisch, was fühlt sich gefährlich an?“
  • Diskussion: Wie wirkt sich das auf Selbstbild, Sicherheit und Chancen aus?

4. Verantwortung & Handlungsmöglichkeiten (20–25 Min)

  • Sammeln typischer Reaktionen: Mitlachen, Wegsehen, „Ist doch nicht so schlimm“, Gegenreden.
  • Erarbeitung konkreter Handlungsmöglichkeiten:
    - Wie kann ich reagieren, wenn jemand sexistische Sprüche macht?
    - Wie kann ich Betroffene unterstützen, ohne sie zu bevormunden?
    - Was kann ich in meiner Sprache, in Gruppen oder in Beziehungen verändern?

5. Abschluss & Transfer (5–10 Min)

  • Freiwillige Reflexion: „Eine Situation, in der ich künftig anders reagieren möchte – oder ein Gedanke, der hängenbleibt.“
  • Hinweis auf Anschlussmodule (z. B. Sprache, Beziehungen, Zivilcourage).

Bei längeren Formaten (Tagesprojekt/Projektwoche) sind Vertiefungen möglich:

  • Medienanalyse (Werbung, Serien, Musikvideos, Social Media)
  • tiefergehende Arbeit zu Care-Arbeit und Rollenaufteilung in Familien
  • Einbindung von Perspektiven von Mädchen/Frauen und nicht-binären Personen (z. B. durch Materialien oder kooperierende Projekte)
  • Entwicklung kleiner Kampagnen, Plakate oder Statements für die Schule („Gleichwertig statt gleichgültig“).

Was lernen die Teilnehmenden?

Fachlich & inhaltlich:

  • Sie verstehen, was mit Sexismus und Geschlechtergerechtigkeit gemeint ist – jenseits von Schlagworten.
  • Sie erkennen Alltagssexismus in Sprache, Bildern, Erwartungen und Strukturen.
  • Sie sehen Zusammenhänge zwischen Rollenbildern, Machtverhältnissen, Sicherheit und Chancen.

Sozial & emotional:

  • Sie entwickeln mehr Empathie für Menschen, die von sexistischen Strukturen betroffen sind.
  • Sie nehmen eigene Erfahrungen von Ungerechtigkeit bewusster wahr – unabhängig vom Geschlecht.
  • Sie erleben, dass man über das Thema sprechen kann, ohne sofort in Schuldzuweisungen oder Abwehr zu rutschen.

Haltung & Verantwortung:

  • Sie hinterfragen sexistische Sprüche, Witze und Verhaltensweisen – bei sich selbst und anderen.
  • Sie erkennen, dass Gleichwertigkeit kein „Extra“ ist, sondern Voraussetzung für ein faires Miteinander.
  • Sie entdecken, dass sie im Kleinen aktiv zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beitragen können – in Sprache, Freundschaften, Gruppen, Beziehungen.

Methoden & Materialien

Methoden & Materialien

Das Modul arbeitet mit:

  • Einstiegsabfragen und Sammlung von Alltagssituationen
  • Kleingruppenarbeit zu Rollenbildern und doppelten Standards
  • Szenarienarbeit zu Alltagssexismus
  • moderierten Diskussionen im Plenum
  • optional Medienbeispielen (Werbung, Social-Media-Posts, Songtexte – altersgerecht ausgewählt)

Materialien (wie bei allen Modulen, konkretisiert):

  • Infomaterialien mit grundlegenden Begriffen zu Sexismus, Geschlechterrollen und Geschlechtergerechtigkeit (altersgerecht, klar, nicht überfordernd)
  • Sticker / visuelle Reminder mit Botschaften wie „Gleichwertig ist nicht verhandelbar“ oder „Respekt kennt kein Geschlecht“
  • Gruppenarbeitsmaterialien

Alle Materialien sind diskriminierungskritisch, intersektional sensibel und so gestaltet, dass sie nicht beschämen, sondern zum Mitdenken und Mitgestalten einladen.

Mögliche Einsatzformate

90-Minuten-Workshop
– als Einstieg in das Thema Geschlechtergerechtigkeit, z. B. im Rahmen von Projekttagen, Politik-, Ethik- oder Religionsunterricht.

Halbtages- oder Tagesprojekt
– mit vertiefter Medienanalyse, Szenarienarbeit und der Erarbeitung konkreter Klassen- oder Gruppenvereinbarungen.

Projektwoche / Themenwoche
– als Baustein in Projekten zu Demokratiebildung, Diversity, Gewaltprävention oder Schulentwicklung (z. B. „Schule als sicherer Ort für alle Geschlechter“).

Typische Kombinationen mit anderen Modulen

Für Projekte zu Geschlechtergerechtigkeit & Respekt:

Modul 1 – Männlichkeitsbilder & Rollenklischees

Modul 5 – Sprache, Respekt & Abwertung

Modul 6 – Sexismus & Geschlechtergerechtigkeit
 

Für Demokratietag / Schule als sicherer Ort:

Modul 5 – Sprache, Respekt & Abwertung

Modul 6 – Sexismus & Geschlechtergerechtigkeit

Modul 11 – Allyship & Zivilcourage
 

Für Projekte zu Beziehungen & Verantwortung:

Modul 4 – Grenzen, Konsens & Verantwortung

Modul 6 – Sexismus & Geschlechtergerechtigkeit

Modul 9 – Beziehungen, Nähe & Verantwortung

Modul 12 – Zukunftsbilder, Vaterschaft & Verantwortung
 

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