Modul 7

Freundschaft, Gruppendruck & Loyalität


Warum machen Menschen Dinge mit, die sie allein vielleicht gar nicht gut fänden? In diesem Modul geht es um Freundschaft, Zugehörigkeit und den Druck, „dazu zu gehören“. Die Jugendlichen setzen sich damit auseinander, wo Loyalität gut tut – und wo sie kippt, wenn andere verletzt, ausgegrenzt oder übergangen werden. Ziel ist ein klarerer Blick auf Gruppendynamiken und mehr Mut, die eigenen Werte nicht zu verraten.

Für wen ist dieses Modul geeignet?

  • Klassen ab Jahrgang 7
  • Sek I & Sek II
  • Berufsschulklassen
  • Projekt-, Präventions- und Demokratietage
  • Schulsozialarbeit & Jugendhilfe

Der Inhalt wird jeweils altersgerecht angepasst (Sprache, Beispiele, Tiefe).

Worum geht es in diesem Modul?

Gruppen geben Halt, Zugehörigkeit und Sicherheit – und können gleichzeitig enormen Druck erzeugen. Viele Jugendliche kennen Situationen, in denen sie mitgemacht, geschwiegen oder weggesehen haben, obwohl sich etwas innerlich falsch angefühlt hat. Die Angst vor Ausschluss oder Lächerlichmachung ist oft größer als der Wunsch, einzugreifen oder „Stopp“ zu sagen.

Dieses Modul setzt genau hier an:

  • Was macht eine gute Freundschaft bzw. Gruppe aus – und woran erkenne ich das Gegenteil?
  • Wie fühlt sich Gruppendruck an und woran merke ich ihn bei mir selbst?
  • Welche Rolle spielen Loyalität, Schweigen, Mitlachen oder „nur dabei stehen“?
  • Wie kann ich zu mir selbst stehen, ohne gleich komplett allein dazustehen?

Es geht nicht darum, Freundschaften schlechtzureden, sondern darum, bewusster und fairer mit der eigenen Loyalität umzugehen – und andere nicht „für die Gruppe“ zu opfern.

Was passiert konkret im Workshop?

Der Workshop arbeitet mit Situationen aus der Lebenswelt der Jugendlichen und lädt zu ehrlicher, aber geschützter Reflexion ein. Ein möglicher Ablauf (für ca. 90 Minuten):

1. Ankommen & Einstieg (10–15 Min)

  • Anonyme Kartenabfrage: „Ich habe schon mal etwas mitgemacht, das ich eigentlich nicht gut fand, weil …“
  • Sammlung typischer Situationen (z. B. Lästern, Auslachen, Challenge mitmachen, jemanden ausschließen, Regeln brechen).

2. Was ist gute Freundschaft? (15–20 Min)

  • Kleingruppen: „Was macht für euch eine gute Freundschaft / gute Gruppe aus?“
  • Sammlung im Plenum: positive Eigenschaften (z. B. Vertrauen, Ehrlichkeit, Rückhalt, Kritik aushalten).
  • Gegenüberstellung: „Was passiert, wenn Freundschaft benutzt wird, um Druck zu machen?“

3. Gruppendruck & Mitläufertum erkennen (20–25 Min)

  • Kurzinput: Mechanismen von Gruppendruck (Angst vor Ausschluss, Status, Rollen in Gruppen).
  • Arbeit mit Szenarien:
    - „Alle lachen über eine Person – ich finde es nicht lustig.“
    - „Freund:innen erwarten, dass ich jemanden mit ausgrenze.“
    - „Ich mache bei etwas mit, das eigentlich zu weit geht.“
  • Einschätzung: Welche Gefühle entstehen bei mir? Was hält mich vom Eingreifen ab?

4. Loyalität – zu wem eigentlich? (20–25 Min)

  • Kleingruppen: „Wann ist Loyalität gut – und wann wird sie unfair?“
  • Erarbeitung von Handlungsmöglichkeiten:
    - Wie kann ich Grenzen setzen, ohne alle Freundschaften zu verlieren?
    - Wie kann ich im Hintergrund unterstützen (z. B. später reden, nicht mitmachen, Person ansprechen)?
    - Wie kann ich meine Rolle in der Gruppe bewusst verändern (z. B. nicht mehr mitlachen, Thema wechseln, Hilfe holen)?

5. Abschluss & Transfer (5–10 Min)

  • Freiwillige Reflexion: „Ein Satz, der mir hilft, wenn ich unter Gruppendruck gerate.“
  • Hinweis auf Anschlussmodule (z. B. Zivilcourage, Konflikte, Selbstwert).

Bei längeren Formaten (Tagesprojekt/Projektwoche) sind Vertiefungen möglich:

  • Rollenarbeit: verschiedene Positionen in Gruppen (Anführer:in, Mitläufer:in, Außenseiter:in, Vermittler:in)
  • ausführlichere Rollenspiele zu Gruppendrucksituationen
  • Entwicklung eines Klassen- oder Gruppenleitbildes zu Freundschaft, Loyalität und Respekt
  • Verknüpfung mit Online-Kontexten (z. B. WhatsApp-Gruppen, Challenges, Mobbing).

Was lernen die Teilnehmenden?

Fachlich & inhaltlich:

  • Sie verstehen grundlegende Mechanismen von Gruppendruck und Mitläufertum.
  • Sie können beschreiben, wie Loyalität sowohl schützen als auch schaden kann.
  • Sie erkennen Zusammenhänge zwischen Gruppendruck, Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt.

Sozial & emotional:

  • Sie nehmen eigene Gefühle und innere Warnsignale in Gruppensituationen besser wahr.
  • Sie entwickeln mehr Verständnis für Menschen, die „mitmachen“ – ohne alles zu entschuldigen.
  • Sie erleben, dass ambivalente Gefühle (dazugehören wollen vs. ungutes Gefühl) normal sind.

Haltung & Verantwortung:

  • Sie reflektieren ihre eigene Rolle in Gruppen – nicht nur als „Opfer“ oder „Täter:in“, sondern auch als Mitläufer:in oder Zuschauer:in.
  • Sie erkennen, dass nicht nur die Person, die etwas tut, Verantwortung trägt – sondern auch diejenigen, die es durch Schweigen oder Lachen stabilisieren.
  • Sie entdecken konkrete Möglichkeiten, ihre Loyalität fairer zu leben – zu sich selbst und zu anderen.

Methoden & Materialien

Das Modul arbeitet mit:

  • anonymen Erfahrungsabfragen
  • Kleingruppenarbeit zu Freundschafts- und Gruppendrucksituationen
  • Szenarien- und Fallarbeit
  • moderierten Gesprächsrunden im Plenum
  • optional einfachen Rollenspielen in geschütztem Rahmen

Materialien (wie bei allen Modulen, konkretisiert):

  • Infomaterialien zu Gruppendruck, Rollen in Gruppen und Loyalität
  • Sticker / visuelle Reminder mit Botschaften wie „Echte Freundschaft braucht kein Mitmachen bei allem“ oder „Loyalität heißt nicht Wegsehen“
  • Gruppenarbeitsmaterialien

Alle Materialien sind wertschätzend, nicht beschämend und unterstützen eine ehrliche, aber sichere Auseinandersetzung mit eigener Verantwortung.

Mögliche Einsatzformate

90-Minuten-Workshop
– als Einstieg in Themen wie Gruppendruck, Mobbing, Klassengemeinschaft und Freundschaft.

Halbtages- oder Tagesprojekt
– mit vertieften Rollenspielen, Rollenanalysen und der Erarbeitung gemeinsamer Regeln für fairen Umgang in der Klasse.

Projektwoche / Themenwoche
– als Baustein in Projekten zu Klassengemeinschaft, Gewaltprävention, Demokratiebildung oder Peer-Education.

Typische Kombinationen mit anderen Modulen

Für Mobbing- und Klassengemeinschafts-Projekte:

Modul 3 – Selbstwert & innere Stärke

Modul 5 – Sprache, Respekt & Abwertung

Modul 7 – Freundschaft, Gruppendruck & Loyalität
 

Für Demokratietage / Zivilcourage-Projekte:

Modul 5 – Sprache, Respekt & Abwertung

Modul 7 – Freundschaft, Gruppendruck & Loyalität

Modul 11 – Allyship & Zivilcourage
 

Für Projekte rund um Freundschaft & Beziehungen:

Modul 3 – Selbstwert & innere Stärke

Modul 7 – Freundschaft, Gruppendruck & Loyalität

Modul 9 – Beziehungen, Nähe & Verantwortung

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.